
Sensorplanung - was vor der Montage feststehen muss
Die teuerste Entscheidung bei einer Zählanlage sieht aus wie eine Formalie: die Montagehöhe. Sie wird auf der Baustelle festgelegt, oft nach der Deckenkonstruktion - und sie entscheidet für Jahre, welche Auswertungen überhaupt möglich sind.
Wer heute nur Eingänge zählen will, merkt davon nichts. Wer in zwei Jahren wissen will, wie sich die Altersstruktur verändert hat oder wohin Kundschaft vor dem Schaufenster schaut, merkt es dann - und zwar als zweiten Einbau. Dieser Beitrag geht durch, was vor der Montage feststehen muss: welche Glieder zusammenkommen müssen, damit eine Kennzahl Daten hat, welche Höhe welche Auswertung trägt, und welche Konstanten Sensorzahl und Kabelwege bestimmen.
Alle Hardwareangaben in diesem Beitrag sind Herstellerangaben und gelten je Modell.
Vier Glieder, bevor eine Kennzahl Daten hat
Eine Auswertung erscheint nicht, weil jemand sie in der Software einschaltet. Sie erscheint, wenn vier Bedingungen zugleich erfüllt sind:
| Glied | Was es verlangt | Wo es entschieden wird |
|---|---|---|
| 1 Lizenz | Zusatzfunktionen wie Geschlecht, Alter, Blickrichtung, Personalausblendung oder Objekterkennung sind lizenzpflichtig; die Gruppenzählung ist ohne Zusatzlizenz enthalten | beim Sensorhersteller |
| 2 Montagehöhe | Jede Zusatzfunktion hat ein Höhenfenster, in dem der Sensor sie liefert | bei der Begehung |
| 3 Konfiguration | Zähllinien und Zonen sind auf dem Sensor angelegt und richtig benannt | bei der Sensor-Konfiguration |
| 4 Freischaltung | Die Auswertung ist für den Standort freigeschaltet | bei der Anbindung, durch uns |
Fehlt ein Glied, bleibt die Kennzahl leer - nicht falsch. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass sich die ersten beiden Glieder nach der Montage nur mit Aufwand nachholen lassen. Eine Lizenz lässt sich nachkaufen. Eine Montagehöhe lässt sich nicht nachlizenzieren.
Welche Grösse welche Sensorfunktion voraussetzt und worauf sich jede Verteilung bezieht, steht in Was ein Zähler unterscheiden kann. Warum die Namen auf dem Sensor der Vertrag mit der Software sind, steht in Einführung.
Die Montagehöhe entscheidet über die Datenströme
Ein 3D-Sensor sieht von oben. Je höher er hängt, desto grösser die Fläche, die er abdeckt - und desto kleiner erscheinen die Menschen darunter. Für das Zählen spielt das bis weit über zehn Meter keine Rolle. Für Merkmale, die ein genaueres Bild brauchen, schon.
| Modell | Montagehöhe | Abdeckung je Sensor | Demografie und Blickrichtung | Objekte |
|---|---|---|---|---|
| Weitwinkelsensor | 2,00 bis 6,00 m | bis 10 × 10 m ab 3,50 m | 2,40 bis 3,25 m | 2,00 bis 3,50 m |
| Standardsensor | 2,20 bis 6,00 m | 7 × 5 m ab 4,50 m | Geschlecht und Blick 2,40 bis 4,00 m, Alter 2,80 bis 4,00 m | 2,20 bis 3,50 m |
| Sensor für niedrige Decken | 1,95 bis 3,50 m | 7 × 5,88 m bei 3,50 m | 2,40 bis 3,25 m | ab 1,95 m |
| Hallensensoren | 6,00 bis 20,00 m je Variante | 8 × 6 m bzw. 12 × 9 m | Gruppenzählung | Gruppenzählung |
Daraus folgt die wichtigste Planungsregel: Demografie und Blickrichtung enden bei 4,00 Metern Montagehöhe. Unter einer hohen Decke - in einem Atrium, einer Bahnhofshalle, einem Messezelt - zählt ein Hallensensor zuverlässig. Wer dort zusätzlich wissen will, wer kommt, braucht eine zweite, tiefer montierte Sensorebene an den Stellen, an denen es darauf ankommt: am Eingang, vor dem Schaufenster, an der Kasse.
Die Frage gehört deshalb an den Anfang jeder Planung: Welche Auswertungen soll die Anlage in drei Jahren liefern, nicht nur heute? Warum das auch eine Kostenfrage ist, steht in Gesamtkosten.
Neun Konstanten, die die Sensorzahl bestimmen
Wie viele Sensoren eine Fläche braucht, wo die Kabel laufen und wie viel Strom der Switch liefern muss, folgt aus wenigen Konstanten. Es sind Herstellerangaben:
| Konstante | Wert | Was sie für die Planung heisst |
|---|---|---|
| Überlappung | mindestens 30 cm zwischen zwei Sensoren | die einzige ausdrückliche Planungsregel des Herstellers - ohne sie entstehen Lücken an den Rändern |
| Familienwechsel | bei 6,00 m | darunter Standard- und Weitwinkelsensoren, darüber Hallensensoren |
| Unter 2,00 m | nur Zählung, Türbreite bis 1,00 m | niedrige Durchgänge eignen sich zum Zählen, nicht für Analytik |
| Kabel | höchstens 100 m je Sensor | zugleich der Radius jedes Sensorclusters um seinen Switch |
| Stromversorgung | PoE Klasse 0, Weitwinkelsensor bis 12,95 W, übrige Modelle 7,5 bis 8,0 W | 24 Weitwinkelsensoren an einem Switch verlangen mindestens 311 W PoE-Budget |
| Montagewinkel | ±15 Grad in der einen, ±5 Grad in der anderen Achse | bei Traversen auf Messen und Veranstaltungen die kritische Grösse |
| Fläche je Sensor | 35 bis 45 m² mit Standard- oder Hallensensor, 85 bis 100 m² mit Weitwinkelsensor | die Faustregel für Vollabdeckung einer Fläche |
| Sensoren je Meter Tür | bei 3,00 m Deckenhöhe rund 0,29 Standard- oder 0,11 Weitwinkelsensoren | eine 7 m breite Eingangsfront braucht damit rund zwei Standardsensoren oder einen Weitwinkelsensor |
| Licht | innen ab 2 Lux, das Aussenmodell ab 9 Lux | auch gedämpfte Beleuchtung reicht |
Die Flächen je Sensor sind aus den Abdeckungstabellen abgeleitet und mit der 30-Zentimeter-Regel gerechnet. Sie sind eine Planungsheuristik für die erste Schätzung. Die verbindliche Zahl entsteht bei der Begehung, mit gemessener Deckenhöhe und dem echten Grundriss.
Zwei Sensoren, eine Tür
Ein Fehler kommt in der Praxis häufiger vor, als man denkt: Eine breite Eingangsfront wird mit zwei Sensoren abgedeckt, beide bekommen eine eigene Zähllinie, und wer im Überlappungsbereich durchgeht, wird von beiden gezählt. Die Besucherzahl ist dann nicht falsch um ein paar Prozent, sondern systematisch zu hoch - und zwar genau an den Tagen, an denen es voll ist.
Die Lösung liegt auf dem Sensor, nicht in der Auswertung. Mehrere Sensoren werden zu einem logischen Sensor zusammengeschaltet, der die Szene als Ganzes sieht und jede Person einmal über die Linie gehen lässt. Nach Herstellerangabe geht das direkt mit bis zu 15 Sensoren (mit einem Weitwinkelsensor als Leitgerät) oder 9 (mit einem Standardsensor), über einen Aggregator mit bis zu 350. Die Planungsregel dazu ist einfach: Eine Tür, eine Zähllinie - egal wie viele Sensoren darüber hängen.
Wer zählt, und wer nicht
Zwei weitere Entscheidungen fallen am Sensor und nicht in der Software, und beide verändern die Zahl, bevor sie irgendwo ankommt:
- Passanten. Wer vor der Tür stehen bleibt und hineinschaut, ist kein Besucher. Die Zähllinie gehört deshalb so weit nach innen, dass ein Blick durch die Tür sie nicht auslöst. Das ist eine Konfigurationsfrage, keine Auswertungsfrage.
- Personal. Mitarbeitende, die zwanzigmal am Tag durch den Eingang gehen, verzerren jede Kennzahl, die auf Besuchern aufbaut. Mit der Personalausblendung trägt das Personal eine kleine Markierung und wird aus der Zählung genommen - beim Standardsensor in einer Montagehöhe von 2,50 bis 3,50 m.
Wie aus der Bewegung unter dem Sensor eine gespeicherte Zahl wird und warum dabei keine Zählung doppelt oder verloren gehen darf, steht in Von der Bewegung zur Zahl. Was den Sensor überhaupt verlässt, steht in Datenschutz ist eine Architekturentscheidung.
Was in die Ausschreibung gehört
- Welche Auswertungen soll die Anlage heute liefern, und welche in drei Jahren?
- Welches Sensormodell ist je Eingang und Zone vorgesehen, in welcher Montagehöhe, und liegt diese Höhe im Fenster jeder geplanten Zusatzfunktion?
- Wie viele Sensoren braucht die Fläche nach Abdeckungstabelle, mit 30 cm Überlappung gerechnet?
- Werden breite Eingänge als ein logischer Sensor mit einer Zähllinie konfiguriert?
- Wie weit liegt die Zähllinie hinter der Tür, und wie wird Personal behandelt?
- Reichen Kabelwege und PoE-Budget der vorgesehenen Switches?
- Welche Lizenzen sind je Sensor nötig, und welche Auswertungen müssen in der Plattform freigeschaltet werden?
Wie wir das machen
Bei einer Einführung des ANALYSIT Counting System steht die Planung am Anfang: Bei der Begehung werden Deckenhöhen und Türbreiten gemessen und Sensormodell und Montagehöhe aus den Abdeckungstabellen der Sensoren abgeleitet, Zähllinien und Zonen werden auf dem Grundriss festgelegt. Wir planen dabei gegen die Vorbedingungskette: Lizenz, Montagehöhe im Fenster der Zusatzfunktion, Zähler und Zonen auf dem Sensor, Freischaltung in der Plattform.
ACS liest die Zähllogiken, deren Name mit visitor_logic, passenger_logic oder customer_logic beginnt, und entdeckt Zonen aus den Daten, die der Sensor tatsächlich überträgt. Zonen und Linien für den Sicherheitsalarm werden auf dem Sensor als Sperrbereich benannt. Ein zusammengeschalteter Multisensor kommt in ACS als fertige Gesamtszene an und wird als ein Sensor ausgewertet.
Wenn du eine Anlage planst und sicher sein willst, dass sie in drei Jahren noch liefert, was du dann brauchst, sprich mit uns. Die Frage nach der Montagehöhe ist vor der Montage billig.
