
800 Besucher sind keine Antwort - wie Wetter, Ferien und Personal eine Zahl erklären
„800 Besucher“ ist keine Antwort. Es ist eine Frage.
Derselbe Tageswert heisst etwas anderes bei Dauerregen, am Feiertag, mitten in einer Kampagne oder mit drei statt sechs Mitarbeitenden auf der Fläche. Wer nur die Zahl sieht, sieht vier verschiedene Tage, die gleich aussehen - und zieht aus jedem denselben Schluss.
Dieser Beitrag handelt davon, wie man den Kontext neben die Zahl legt, und wo ein Zusammenhang wirklich belegt ist statt nur plausibel. Er baut auf Der halbe Ausfall auf, wo steht, wie beschädigte Tage aus jeder Statistik fallen, und auf Standorte vergleichen, wo es um den Nenner ging.
Der Jahresvergleich, der nichts sagt
Der beliebteste Vergleich im Betrieb ist der gegen das Vorjahr. Er ist auch der, der am leichtesten in die Irre führt.
Ostern fällt einmal in den März und einmal in den April. Die Herbstferien liegen im Kanton Zürich nicht zwingend in denselben Wochen wie in Bern, und im Folgejahr nicht in denselben wie im Vorjahr. Ein Feiertag, der letztes Jahr auf einen Sonntag fiel, fällt dieses Jahr auf einen Montag. Und ob der Oktober verregnet war, weiss nach zwölf Monaten niemand mehr.
Ein Monatsvergleich gegen das Vorjahr vergleicht deshalb nicht zwei Geschäftsjahre, sondern zwei Kalender und zwei Wetterlagen - und die Differenz, die am Ende dasteht, sieht aus wie Leistung. Ohne Kontext ist eine Abweichung eine Frage, keine Erklärung.
Die Lösung ist nicht, den Kontext herauszurechnen, als gäbe es ihn nicht. Sie ist, ihn neben die Zählung zu legen, damit die Frage „war das der Regen oder wir?“ eine Antwort bekommt, die sich belegen lässt.
Wetter: ein Zusammenhang mit Beleg
Für jeden Standort wird die Tageszusammenfassung des Wetters an seinen Koordinaten geholt und neben die Tageszählung gestellt. Daraus entstehen vier Sichten auf einer Seite: ein Streudiagramm Temperatur gegen Besucher, Balken nach Wetterlage, ein Vergleich Regen gegen trocken und eine Tabelle Tag für Tag.
Die Rechnung dahinter ist die Pearson-Korrelation, und an drei Stellen entscheidet sich, ob sie ehrlich bleibt:
- Der p-Wert ist exakt. Er wird über die regularisierte unvollständige Betafunktion berechnet, nicht über eine Faustformel. Das klingt nach Mathematik für Mathematiker und ist ein praktischer Unterschied: Bei 30 oder 40 Tagen können Näherungsformeln gerade im Bereich um 0,05 so weit danebenliegen, dass aus „knapp nicht signifikant“ „knapp signifikant“ wird.
- Regen hat eine Schwelle. Ein Tag zählt als Regentag bei mehr als 0,5 Millimetern. Darunter ist es ein Nieseln, das kaum jemand vom Einkaufen abhält, und wer es mitzählt, verwässert den Vergleich.
- Nur vollständige Tage. Ein Tag mit Sensorausfall sieht aus wie ein ruhiger Tag und zieht jede Korrelation still in eine Richtung. Wie wenige solche Tage reichen, um eine Auswertung zu verschieben, rechnet Datenqualität: der halbe Sensorausfall vor. Beschädigte Tage fallen deshalb aus jeder Statistik, und ihre Zahl steht an der Auswertung.
Eine leere Box ist auch ein Ergebnis
Zur Auswertung gehört ein Planungshinweis, und der hat eine strenge Bedingung: Er erscheint nur, wenn der Zusammenhang signifikant ist - p höchstens 0,05 - und der Effekt mindestens 10 Prozent beträgt. Sonst bleibt die Box leer.
Die zweite Bedingung ist die wichtigere. Mit genug Tagen wird fast jeder Zusammenhang signifikant, auch einer, der im Betrieb nichts bedeutet. Ein Effekt von zwei Prozent bei Regen ist statistisch vielleicht belegbar und für die Personalplanung wertlos. Die Schwelle trennt, was stimmt, von dem, was etwas ändert.
Dieselbe Haltung gilt im Kleinen: Gibt es im gewählten Fenster keinen einzigen Regentag, steht beim Vergleich Regen gegen trocken ein Strich statt einer erfundenen Differenz. Unter zwei Punkten gibt es keine Trendlinie. Eine Auswertung, die bei fehlender Grundlage schweigt, ist die einzige, der man glaubt, wenn sie spricht.
Und eine Einordnung, die zu jeder Korrelation gehört: Sie beschreibt einen Zusammenhang, keine Ursache. Wetter erklärt einen Teil des Tages, nicht den Tag.
Die Vorlaufzeit gehört in den Projektplan
Eine Wetterkorrelation braucht Wetterhistorie, und die muss für einen neuen Standort erst geholt werden. Das dauert rund 1,2 Tage je Standort; zehn neue Standorte brauchen damit etwa zwölf Tage. Ausserdem braucht es gültige Koordinaten und mindestens sieben nutzbare Tage, bevor die Seite überhaupt rechnet.
Das ist eine Frage der Planung: Die Wetterkorrelation ist ein Thema für das Onboarding, nicht für den ersten Tag. Wer sie für die erste Geschäftsleitungssitzung nach der Montage verspricht, verspricht etwas, das dann noch keine Grundlage hat.
Der Ausreisser hat meistens einen Namen
Ein Tagespeak ohne Erklärung landet in einer Diskussion: War es der Feiertag im Nachbarland, der Ferienbeginn oder der eigene Anlass? Die Antwort steht fast immer in einem Kalender - nur nicht in dem neben den Besucherzahlen.
Der Kalender stellt drei Quellen in ein Monatsraster:
- Gesetzliche Feiertage für 136 Länder, aus öffentlichen Quellen und ohne Lizenz. Regionale Feiertage sind als solche gekennzeichnet.
- Schulferien als eigener Typ, damit eine Ferienwoche nicht mit einer normalen Woche verwechselt wird.
- Eigene Termine - Anlässe, Aktionen, Umbauten -, ein- oder mehrtägig, mit Stichworten, Farben und Typfilter.
Im November und Dezember wird das Folgejahr bereits vorab geholt, damit der Januar nicht mit einem leeren Kalender beginnt. Und weil der Kalender je Land arbeitet, gehört das Land zu jedem Standort - derselbe Schritt der Einführung, der in Standorte vergleichen den Ländervergleich trägt.
Für Betriebe über mehrere Länder ist der Kalender mehr als Komfort. Eine Woche mit einem Feiertag in Deutschland und keinem in der Schweiz ist zwischen zwei Standorten beiderseits der Grenze schlicht keine vergleichbare Woche.
Kampagnen: zwei Schutzmechanismen gegen den spektakulären Zuwachs
Wie ein Kampagnenvergleich aufgebaut ist und warum ein Signifikanzblock dazugehört, steht in Die Besucher, die nicht kaufen. Hier geht es um zwei Schutzmechanismen, die man selten sieht und die jeden Vergleich vor seinem häufigsten Fehler bewahren.
Erstens: keine Prozente aus dem Nichts. Ist die Basis null, steht bei der Veränderung ein Strich, nicht „+100 Prozent“ und schon gar nicht „+unendlich“. Eine Aktion auf einer Fläche, die vorher niemand betreten hat, erzeugt sonst den grössten Erfolg des Jahres.
Zweitens: keine Aussage aus zu wenig oder Unvergleichbarem. Hinweise erscheinen nur, wenn beide Zeiträume mindestens 30 Besucher haben und ihre Tagesmittel höchstens um den Faktor 10 auseinanderliegen. Darüber vergleicht man nicht zwei Phasen desselben Geschäfts, sondern zwei verschiedene Geschäfte.
Beide Fenster lassen sich bis zu 731 Tage breit wählen. Das reicht, um eine Aktion gegen denselben Zeitraum des Vorjahres zu stellen - und damit den Kalender aus dem Vergleich zu nehmen, soweit das ein Vergleich überhaupt kann.
Personal: das Verhältnis der Summen, nicht das Mittel der Quoten
„Wir waren unterbesetzt“ bleibt eine Meinung, solange die Besetzung nicht neben der Frequenz steht. Deshalb wird je Standort und Tag die Kopfzahl je Schicht erfasst, und daraus entsteht die Kennzahl Besucher je Mitarbeitenden. Wie sie in die Personalplanung eingeht, steht in Die Besucher, die nicht kaufen. Hier geht es um einen Rechenfehler, der an dieser Stelle fast überall gemacht wird.
Über einen Zeitraum wird die Kennzahl als Verhältnis der Summen gebildet: alle Besucher geteilt durch alle Mitarbeitertage. Nicht als Mittel der täglichen Quoten. Ein Beispiel zeigt, warum:
| Tag | Besucher | Mitarbeitende | Quote |
|---|---|---|---|
| Samstag | 2'000 | 10 | 200 |
| Montag | 100 | 1 | 100 |
| Mittel der Quoten | 150 | ||
| Verhältnis der Summen | 2'100 | 11 | 191 |
Das Mittel der Quoten lässt den Montag mit einer einzigen Person so schwer wiegen wie den Samstag mit zehn. Das Verhältnis der Summen gewichtet jeden Tag mit seinem tatsächlichen Einsatz - und nur das beantwortet die Frage, wie viele Besucher auf einen Einsatztag kamen.
Unter- und Überbesetzung werden gegen einstellbare Schwellen gemessen, in der Voreinstellung über 50 Besucher je Mitarbeitenden als unterbesetzt und unter 10 als überbesetzt, mit Ausnahmen für einzelne Daten. Und ein Hinweis zur Abdeckung nennt nicht nur die erfassten Tage, sondern ausdrücklich die Tage mit Verkehr, aber ohne Eintrag - die Auswertung sagt selbst, wie belastbar sie ist.
Korrigieren mit Begründung
In Der halbe Ausfall steht der Grundsatz, dass ein beschädigter Tag entfernt und nicht automatisch aufgefüllt wird. Es gibt aber einen anderen Fall: den bekannten Störfall. Das Gerüst vor dem Eingang, die blockierte Tür, der Testlauf der Anlage. Alle im Raum wissen, dass diese Tage falsch sind, und sie verziehen trotzdem jeden Wochen- und Monatswert.
Hier ist eine Korrektur richtig - aber nur unter Bedingungen, die sie von stiller Datenpflege unterscheiden:
- Erfassen mit Begründung. Tag oder Stunde, Kennzahl, Zielwert, dazu ein Begründungscode und eine Notiz. Eine Vorschau zeigt vorher, was sich ändern würde.
- Prüfen. Die Korrektur liegt als „ausstehend“ in der Historie - sichtbar, aber ohne Wirkung auf Diagramme, Exporte und Alarme.
- Anwenden oder ablehnen. Beides ist eine Entscheidung, und beides landet in der Historie und im Protokoll.
- Zurücknehmen. Eine angewendete Korrektur lässt sich rückgängig machen.
Der Unterschied zum automatischen Auffüllen ist nicht die Technik, sondern die Verantwortung: Eine Korrektur ist eine dokumentierte Entscheidung eines Menschen mit Grund. Ein aufgefüllter Wert ist eine Annahme eines Programms ohne Spur.
Welche Tage eine Korrektur brauchen könnten, zeigt eine Hervorhebung auffälliger Tage: Ein Tag gilt als auffällig, wenn er im 28-Tage-Fenster mehr als zwei Standardabweichungen vom Mittel entfernt liegt. Dabei wird der Tag selbst aus dieser Rechnung herausgenommen - sonst würde ein extremer Tag die eigene Streuung so vergrössern, dass er sich selbst unauffällig macht.
Öffnungszeiten: die günstigste Kontextquelle
Die unscheinbarste Quelle ist die mit der grössten Wirkung. Die Öffnungszeiten eines Standorts stehen in jeder Filiale im Aushang und in kaum einem Analysesystem.
Gepflegt werden sie als Wochenraster mit Zeitfenstern je Tag und als datierte Sonderzeiten. Die Eingabe wird streng geprüft - keine überlappenden Fenster, keine doppelten Sonderdaten, „24:00“ nur als Schliesszeit -, weil ein falsches Fenster überall weiterwirkt.
Und es wirkt weit: Alarme lassen sich ausserhalb der Betriebszeit unterdrücken, damit keine Meldung um drei Uhr nachts das Vertrauen in die ganze Alarmierung kostet. Die Personalbedarfs-Heatmap beschränkt sich auf die geöffneten Stunden. Und im Standortvergleich macht erst die Öffnungszeit eine Abdeckung von sechs aus sieben Tagen als normal lesbar. Einmal gepflegt, arbeitet sie danach still in der halben Auswertung mit.
Wie wir das machen
Das ANALYSIT Counting System stellt je Standort das Tageswetter neben die Tageszählung und rechnet die Pearson-Korrelation mit exaktem zweiseitigem p-Wert, einen Vergleich Regen gegen trocken über 0,5 Millimetern und eine Trendlinie über vollständige Tage. Ein Planungshinweis erscheint nur bei p höchstens 0,05 und einem Effekt von mindestens 10 Prozent; ausgeschlossene Tage stehen an der Auswertung.
Der Kalender führt gesetzliche Feiertage und Schulferien für 136 Länder sowie eigene Termine in einem Monatsraster. Der Kampagnenvergleich stellt zwei Zeiträume bis 731 Tage gegeneinander, mit Strich statt Prozent bei einer Basis von null und Hinweisen erst ab 30 Besuchern je Zeitraum.
Der Personaleinsatz führt die Kopfzahl je Schicht, rechnet Besucher je Mitarbeitenden als Verhältnis der Summen und weist Tage mit Verkehr ohne Eintrag aus. Die Datenkorrektur deckt 21 Kennzahlen je Tag oder Stunde ab, mit Begründungscode, Freigabe und Historie. Die Öffnungszeiten sind für jeden Standort verfügbar und wirken auf Alarme, Heatmap und Vergleich.
Wenn bei dir der Vorjahresvergleich wieder mehr Fragen aufwirft als beantwortet, sprich mit uns. Meistens steht die Antwort im Kalender.
